Unser neuer Schulleiter stellt sich vor.

Seit Sommer leitete Herr Dr. Motschmann als stellvertretender Schulleiter das Gymnasium Dörpsweg. Nun ist er zum Schulleiter gewählt. 

Die Voten der Gremien waren eindeutig. Nachdem sich der Findungsausschuss für Herrn Dr. Motschmann entschieden hatte, stimmten für ihn auch die Lehrerkonferenz, der Eltern- sowie der Schülerrat mit großen Mehrheiten. Inzwischen hat die Deputation der Hamburgischen Bürgerschaft entschieden, dass Dr. Cornelius Motschmann der neue Schulleiter am Dörpsweg ist.

Die Klassen 6b und 8b und Herr Binder (Beobachtungsstufe) haben ihn interviewt.

Herr Dr. Motschmann, wie gefällt es Ihnen am Dörpsweg?

Ausgesprochen gut. Ich bin hier großartig aufgenommen worden, auf ein außergewöhnlich engagiertes Leitungsteam und ein offenes Lehrerkollegium gestoßen. Die Schüler erlebe ich als sehr aufgeschlossen, die Zusammenarbeit mit den Eltern als konstruktiv. Interessant war es für mich auch, mit Eidelstedt einen mir bis dahin unbekannten Stadtteil kennenzulernen. Insgesamt hätte ich es nach meiner Rückkehr aus Italien kaum besser treffen können.

Welche Fächer unterrichten Sie und was bedeuten Sie Ihnen?

Ich unterrichte die Fächer Latein und Geschichte. Beide Fächer haben ihren eigenen Reiz. Im Fach Latein begegnen wir einer fremden Sprache, gerade weil sie nicht mehr gesprochen wird, auf ganz andere, viel analytischere Weise als im modernen Fremdsprachenunterricht. Das, was in Latein gelernt wird, die Beschäftigung und Auseinandersetzung mit Sprache und grammatischen Strukturen überhaupt, aber auch mit den Inhalten aus Philosophie und Politik, Kunst und Geschichte, habe ich als ungemein bereichernd und nützlich in vielen anderen Lebens- und Lernzusammenhängen erlebt. An Geschichte fasziniert mich zum einen die Universalität. Von der Ur- und Frühgeschichte bis zur Geschichte der Gegenwart, von der Geschichte Deutschlands und Europas bis zu der anderer Länder auf anderen Kontinenten, von Wirtschafts- und Sozialgeschichte über politische Geschichte bis hin zu Kunst- und Literaturgeschichte ist der Fächer so breit gespannt, ist so viel Neues jeden Tag zu entdecken, dass man niemals „fertig“ wird. Zum anderen bietet die Geschichte einen Erfahrungshorizont für die Entscheidungen der Gegenwart. Gerade dies versuche ich den Schülern in meinem Geschichtsunterricht zu vermitteln.

Worin haben Sie Ihren Doktor gemacht?

Ich habe das große Glück gehabt, dass mein Professor Alexander Demandt mich sehr ermutigt hat, meine Examensarbeit im Fachbereich Alte Geschichte zu einer Doktorarbeit auszubauen, die im Jahre 2002 unter dem Titel „Die Religionspolitik Kaiser Marc Aurels“ veröffentlicht wurde.

Seit wann sind Sie im Schuldienst und wo waren Sie schon tätig?

Ich habe nach meiner Promotion im November 1999 meinen Vorbereitungsdienst am Schadow-Gymnasium in Berlin beendet und mich um eine Einstellung in den Berliner Schuldienst bemüht. Nachdem ich dort eine Absage erhalten hatte, habe ich mich bundesweit beworben (wir hatten damals schon zwei Kinder und meine Frau war mit dem dritten schwanger) und schon einen Monat später aus Hamburg eine Zusage erhalten. Im April 2000 habe ich am Gymnasium Meiendorf meinen Dienst angetreten und bin dann zum Februar 2003 als stellvertretender Schulleiter an das Gymnasium Bramfeld (jetzt Johannes-Brahms-Gymnasium) gewechselt. Zwischen 2010 und 2018 war ich dann im Auslandsschuldienst als Schulleiter der deutschen Schule Genua tätig.

Inwiefern unterscheidet sich unser Gymnasium von der Deutschen Schule Genua?

Ich würde hauptsächlich drei Unterschiede nennen:

1. Die Schülerklientel am Gymnasium Dörpsweg ist gemischt, bietet einen bunten Querschnitt durch die Gesellschaft, hat zusätzlich eine Basisklasse und zwei IVK. Die Deutsche Schule Genua dagegen ist eine Schule in privater Trägerschaft, die sich neben der finanziellen Unterstützung der fördernden Stellen in Deutschland vor allem aus dem Schulgeld finanziert, das die Eltern der Schüler zahlen. Entsprechend stammen die Schüler eher aus wohlhabenden, sehr bildungsorientierten Familien – mit allen Vor- und Nachteilen.

2. Das Gymnasium Dörpsweg bietet ein breites Bildungsangebot mit einer Schwerpunktsetzung in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Die Deutsche Schule Genua ist eine Begegnungsschule. Die Schüler waren mehrheitlich Italiener oder Kinder italienisch-deutscher Eltern. Deutsch wurde als Fremdsprache seit dem Kindergarten gelehrt, für die deutschen Schüler entsprechend Italienisch. Verpflichtend kam für alle Schüler in Jahrgang 4 Englisch und in Jahrgang 6 Latein als Fremdsprache dazu. In Jahrgang 8 haben fast alle Schüler zusätzlich Französisch gewählt. Die Schule hatte also im Gegensatz zum Gymnasium Dörpsweg ein ausgesprochenes Sprachprofil.

3. Am Gymnasium Dörpsweg gelten das Hamburger Schulgesetz und die Hamburger Bildungspläne. Die Deutsche Schule Genua ist den Bestimmungen der Kultusministerkonferenz für deutsche Auslandsschulen verpflichtet, die sich zum Teil in wesentlichen Punkten unterscheiden. So können dort z.B. weiterhin Schüler bei zu schwachen Leistungen sitzenbleiben. Insgesamt gab es für die Schulen einen größeren Gestaltungsspielraum.

Wie war Ihr Leben in Italien? Was unterscheidet Ihr italienisches und deutsches Umfeld?

Die acht Jahre in Italien waren eine großartige Zeit. Neben den Dingen, die man gewöhnlich mit Italien assoziiert, wie das gute Wetter und die hervorragende Küche oder die vielen kulturell reichen Städte, haben wir vor allem den Kontakt mit den Italienern sehr genossen, die wir als ausgesprochen zuvorkommende und hilfsbereite Menschen erlebt haben. Das tief verwurzelte Misstrauen der Italiener gegenüber ihren staatlichen Einrichtungen ist eine der Ursachen dafür, dass vor allem und an allererste Stelle der familiäre Zusammenhalt, aber auch freundschaftliche Bindungen sehr gepflegt werden. Bevor man sich z.B. auf die Zuweisung eines staatlichen Kindergartenplatzes verlässt, haben schon dreimal die Großeltern oder Freunde ihre Betreuungshilfe angeboten. Diese Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit, die nicht nach dem unmittelbaren eigenen Nutzen oder finanziellen Ausgleich fragt, vermisse ich hier in Deutschland manchmal. Eine zweite bereichernde Erfahrung war es, sich in einem kulturell und sprachlich fremden Umwelt zu bewegen, in dem der Kontakt zu den eigenen (deutschen) Landsleuten sehr verlockend ist, aber die Öffnung auf die Lebensgewohnheiten des Gastgeberlandes versperrt.

Sie haben sich als „Familienmensch“ bezeichnet. Inwiefern sind Sie einer?

Ich habe meine Familie einfach gerne um mich. Die Tatsache, dass inzwischen drei unserer vier Kinder ausgezogen sind und zum Teil in anderen Städten studieren, freut meine Frau und mich natürlich sehr für sie – und doch vermissen wir sie gleichermaßen. Umso mehr freuen wir uns über unsere regelmäßigen Familientreffen, auf denen jeder dann immer viel zu erzählen hat.

Warum wollten Sie Schulleiter werden und wie hat der Wechsel Ihren Alltag verändert?

Ich habe in den 7,5 Jahren als Stellvertretender Schulleiter am Johannes-Brahms-Gymnasium sehr intensiv und aktiv die Neuprofilierung der Schule mitgestaltet und dies als eine sehr erfüllende Arbeit erlebt. Die positive Resonanz hat mich dazu bewogen, mich als Schulleiter in den Auslandsschuldienst zu bewerben, wo ich dieselbe Erfahrung machen durfte, so dass nach meiner Rückkehr nach Deutschland die Bewerbung als Schulleiter am Gymnasium in Hamburg der nächste logische Schritt war. Meine Tätigkeit unterscheidet sich von der in Genua hauptsächlich darin, dass ich gegenwärtig noch Aufgaben des stellvertretenden Schulleiters wie z.B. die Erstellung des Vertretungsplanes ausübe und sich natürlich noch nicht die Routine aus einer achtjährigen Schulleiterzeit eingespielt hat. Beides zusammen genommen lässt mich täglich deutlich länger in der Schule bleiben als bisher.

Was für einen Leitungsstil werden Sie am Dörpsweg pflegen?

So wie ich ihn in Genua praktiziert habe. Ich werde versuchen, in allen Fragen, die Gestaltungsspielraum lassen, ein Höchstmaß an Beteiligung zu ermöglichen und Spielräume zur Entfaltung eigener Initiativen zu gewährleisten. Dazu dienen viele, auch institutionalisierte Gespräche, die ich mit den Kollegen führe.

Wie werden Sie Schüler_innen und Eltern an Entscheidungsprozessen beteiligen?

Gleiches gilt natürlich auch für die Beteiligung von Schülern und Eltern. Basis dafür ist eine offene und kontinuierliche Kommunikation, die in jedem Fall noch verbessert werden muss. Letztlich ist die Schule für die Schüler da, nicht die Schüler für die Schule. Also wird es meine Aufgabe sein, Schüler, aber auch Eltern in den Prozess der Schulentwicklung einzubinden und deren Anregungen und Initiativen für eine positive Gestaltung des Schullebens aufzunehmen. Das heißt allerdings nicht, dass pädagogische Grundsatzentscheidungen, die von dem Lehrerkollegium getroffen werden, jederzeit verhandelbar sind. Hier ist es in der Zusammenarbeit auch wichtig, die Grenzen der Beteiligung, namentlich der Mitbestimmung festzulegen.

Wie politisch sind Sie?

Ich bin zwar in keiner politischen Partei, würde mich aber dennoch als einen politischen Menschen bezeichnen. Das bringt allein schon das Fach Geschichte mit sich. Hier versuche ich den Schülern das zu vermitteln, was man Multiperspektivität nennt: Sich in die Lebenssituation und daraus resultierende Haltung eines anderen Menschen hineinversetzen und ihn dadurch besser verstehen zu können, ohne die Person und ihre politische Meinung gleich abzuwerten. Das erst ermöglicht eine offene und auch sachliche Auseinandersetzung. Es gibt sehr viele Menschen, die von Toleranz sprechen, selber aber gegenüber anders Denkenden ausgesprochen intolerant auftreten.

Welche Perspektiven sind Ihnen für die Schule wichtig?

Das Gymnasium Dörpsweg bietet mit seinem jungen engagierten Lehrerkollegium und dem in Hinblick auf Größe und Lage wunderbaren Schulgelände sowie der Nachbarschaft zum SV Eidelstedt hervorragende Perspektiven. Erste Aufgabe wird es sein, das Profil der Schule zu schärfen, herauszuarbeiten und zu betonen, was besondere Stärken des Gymnasiums Dörpsweg sind, derentwegen es sich lohnt, hier bei uns zur Schule zu gehen. Dieser Prozess der Profilierung, in den auch Eltern und Schüler einbezogen werden, hat bereits begonnen und wird seinen ersten Höhepunkt in der Ganztageskonferenz vom 28.03.2019 finden. Auf lange Sicht stelle ich mir eine Schule vor, die unseren Schülern durch eine fundierte Allgemeinbildung sowie insbesondere durch eine interessengeleiteten Profilierung des eigenen Lernens optimale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Studien- und Berufsperspektive ermöglicht. Hierbei ist mir eine hohe Unterrichtsqualität deutlich wichtiger als werbewirksame Maßnahmen der Außendarstellung, denn: letztlich soll die Schule durch die Qualität und den hohen unterrichtlichen Anspruch überzeugen und damit dann auch werben können.

Wie sehen Sie der Schulhofsanierung entgegen?

Die Planungen für die Schulhofsanierung waren bereits weitgehend abgeschlossen, als ich im Sommer an die Schule gekommen bin. Das Konzept sieht neben der Umgestaltung der Freiflächen deutlich mehr Sport- und Aktivitätsmöglichkeiten für die Schüler vor, so dass ich sicher bin, dass der Standort nach der Sanierung für unsere Schüler deutlich attraktiver sein wird. Wichtig ist, dass die Sanierungsarbeiten möglichst zügig umgesetzt und damit der Zeitraum der Unterrichtsbeeinträchtigung begrenzt werden kann.

Wie kann man Ihrer Meinung nach am besten lernen?

Lernen hat vor allem etwas mit Interesse zu tun. Wer sich z.B. für Fußball interessiert, kennt die Aufstellungen der verschiedenen Mannschaften auswendig, ohne diese je „gelernt“ zu haben. Entsprechend sollte jeder Lernende ein Interesse oder neudeutsch: eine Grundmotivation mitbringen. Ansonsten ist es wichtig, dass jeder für sich herausfindet, wie er am besten lernt. Manche lernen mehr über das Hören, manche mehr über das Sehen, andere indem sie sich Lern-Assoziationen herstellen. Für alle dürfte es gleich nützlich sein, neu Gelerntes sofort anzuwenden, damit es nicht in Vergessenheit gerät.

Was sind Ihre Hobbys?

Ich bin grundsätzlich ein sehr interessierter, neuen Dingen gegenüber aufgeschlossener Mensch, so dass ich mich für viele Sachen begeistern kann. Grundsätzlich spiele ich gerne: Von Dart und Billard über Schach und Backgammon zu Doppelkopf und Skat. In Genua habe ich meine Liebe zum Tauchen und zum Tango Argentino entdeckt, ich spiele leidlich Cello und habe schon immer viel Sport gemacht, hauptsächlich Tischtennis (über 30 Jahre im Verein), Fußball und Joggen (mit bisher drei absolvierten Marathonläufen). Über die Jahre erhalten geblieben sind mir drei Vorlieben: Motorradfahren, Hertha BSC und Heavy Metal / Hard Rock.