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Roboter, Mineralanalysen, Forschungserfolge

Mit sieben Beiträgen waren Schüler:innen des Gymnasiums Dörpsweg beim diesjährigen Regionalwettbewerb„Jugend forscht – Schüler experimentieren“ vertreten, drei Projekte erhielten sogar einen 1. Preis und werden Anfang April beim Landeswettbewerb antreten. Betreut wurden die Nachwuchsforscher:innen, die ihre Ergebnisse am Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung präsentierten, von Frau Schirmer, Frau Dr. Hegerfeldt, Herrn Doliwa sowie durch das Schülerforschungszentrum.

Vier der Beiträge stammen aus dem Fachgebiet Technik.
Herausragend hierbei: der von Leoner Saiju (9b) und Levin Kahvand (9d) entwickelte, KI-gesteuerte Müllsammelroboter mit intelligenter Objekterkennung für die Reinigung unserer Gewässer. Der mit einem 1. Preis ausgezeichnete Roboter soll in der Lage sein, ohne menschliches Eingreifen Müll von natürlichem Material zu unterscheiden und mit einem neuartigen Greifarm auch einzusammeln.

Die beiden Konstrukteure sind noch hochaktiv beim 3D-Drucken und Zusammenbauen, haben aber mit ihrer selbst-trainierten KI und dem noch nicht ganz fertigen Roboter die Jury bereits in den Bann gezogen. Stolz berichtet Leoner etwa vom KI-Modell „Yolo“ („You only look once“), das zwar bereits programmiert gewesen, aber anfänglich noch leer, d.h. völlig ohne Informationen gewesen sei und erst „trainiert werden musste, mit über 2000 Fotos in dreckigem Wasser. Dafür haben wir unsere Badewanne benutzt“. Nun erkenne die KI mit annähernd 90%iger Wahrscheinlichkeit, ob das erfasste Objekt tatsächlich Müll oder z.B. nur ein Stock ist. Ebenso begeistert erläutert Levin, wie der „Spirobs“-Greifarm den Müll aufnehmen soll: „Drei Bänder sind mit internen Motoren verbunden und sorgen für die Bewegung mit einer superpräzisen, filigranen Steuerung, bioinspiriert: wie ein Elefantenrüssel.“ Die Konstruktion ist fertig modelliert und soll für den Landeswettbewerb einsatzfertig werden. „Kompliziert wird die Steuerung des Arms“, sagt Leoner, „weil wir sie noch genau programmieren müssen.“ Eine weitere Herausforderung, so Levin, werde die Steuerung des „Fischs“, d.h. der von Propellern bewegten Unterwasserdrohne. Doch wenn alles klappt, könne der Roboter am Ende nicht nur in der Badewanne, sondern in ganz unterschiedlichen Gewässern Müll einsammeln, auch da, „wo Menschen nicht hinkommen.“

An ebenfalls einem Müllroboter, diesmal für den Einsatz zu Lande, arbeiten Amir Baran (9b), Mete Saltik und Joshua Steiner-Anthon (9d). Der Roboter soll den Müll erkennen und mit einer Klapptür einsammeln. Das Gerät hat eine kleine Kamera, um Hindernissen auszuweichen und zwischen Müll und anderen Sachen zu unterscheiden. Noch wächst der Roboter weiter zusammen, könnte aber eines Tages für ein saubereres Straßenbild sorgen.

Eine weitere Drohne – nun für die Luft – stammt Pranav Njattuvetty und Nico Schmidt (9a). Ihre selbst gebaute Quadrokopter-Drohne soll mit möglichst wenig Energie und bei guten Flugeigenschaften ihr Ziel erreichen. Noch „läuft“ die Drohne mehr, als dass sie fliegt, doch die ersten Teststarts stehen kurz bevor.

Das Lernen soll zu einer schönen Nebensache werden, jedenfalls wenn es nach Ammar Marka (9c) und Theodor Westphal (9b) geht. Sie haben anhand ihres „Magic Mirrors“ technischen Möglichkeiten geschaffen, sich nebenbei vielfältigste Informationen auf einem Spiegel anzeigen zu lassen, und sich dabei gefragt, ob man damit das Lernen von Vokabeln revolutionieren könnte. Bislang sieht es noch nicht ganz danach aus, aber sie forschen weiter und wurden mit einem Sonderpreis in Form eines Planetariumsbesuchs ausgezeichnet.

Marthe Dannemann, Marta Jezynska und Katharina Hanemann (10b) möchten wissen, ob Glimmer in Kosmetik unter umweltfreundlicheren und moralisch vertretbareren Bedingungen neu hergestellt oder ersetzt werden kann – eine neuartige Forschungsidee, die von der Jury ebenfalls sehr gelobt und mit einem Sonderpreis (Umwelt) ausgezeichnet wurde. Für ihr im Fachgebiet Chemie angesiedeltes Projekt beschäftigten sich die drei Nachwuchsforscherinnen zunächst mit den Eigenschaften von natürlichem und synthetischem Glimmer sowie mit Perlmutt als möglicher Alternative. Anschließend führten sie eigene Versuche durch, um schimmernde Effekte mithilfe anderer Stoffe zu erzeugen.

Die Schule verfügt über einen großen Hohlspiegel, und der wurde endlich wieder einmal verwendet, als Lionel Bothe, Kimi Clausnitzer und Leo Topalovic probierten, damit Wasser zu erwärmen. Bis zum Kochen hat es der Solar-Ofen noch nicht geschafft, waren die Wetterbedingungen doch bisher auch suboptimal, aber einen Besuch im Planetarium als Sonderpreis wurde auch diesem Projekt aus dem Fachgebiet Physik bereits zugesprochen.

Saida Minnibaeva (S2) befasste sich  mit Gesteinssalzen und sammelte diese aus diversen Lagerstätten. Anschließend analysierte sie die paläozoischen und mesozoischen Salze und maß sie in aufwändigen Methoden, sodass sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten ermitteln konnte. Die am Sonderforschungszentrum betreute Arbeit wurde mit einem 1. Platz im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaft geehrt.

Einen weiteren 1. Platz erreichte Sonja Kutsin (8b) mit ihrer Untersuchung von Gesteinen, Sand und Kies der Kiesgrube Bokel. Dafür nahm Sonja Proben von Sedimentschichten an einer 2m hohen Sedimentwand und analysierte diese anschließend im Labor. Auf diese Weise konnte sie eiszeitliche Prozesse, denen die Mineralien ausgesetzt waren, nachzuvollziehen und für heutige Betrachter sichtbar machen.

Bis Anfang April werden Sonja, Saida, Leoner und Levin nun ihre Forschungsergebnisse vertiefen, um sie am DESY den Landesjuroren vorzustellen.

Shakespeare – up to date

Der 12. Jahrgang erarbeitet aktuell Werke von William Shakespeare. Während in dessen vielleicht berühmtestem Drama „Romeo und Julia“ beide Hauptfiguren tragisch enden, zeigt das Musical „&Julia“ mit Hits aus den 90ern und 2000ern gut gelaunt eine etwas andere Version. Warum sich der Besuch auch vor dem Hintergrund des Semesterthemas lohnt, verrät eine Zwölftklässlerin:

Von Lilly Damaschke (S4)

Unser Englischkurs der 12. Klasse am Gymnasium Dörpsweg beschäftigt sich in diesem Semester mit dem englischen Schriftsteller Shakespeare. Um eine ganz besondere Einleitung in dieses Thema zu erhalten, besuchten wir als Kurs gemeinsam mit unserer Lehrerin Frau Achmus das Musical „&Julia“ im Operettenhaus Hamburg. Ausflüge sind natürlich immer eine tolle Abwechslung im Schulalltag, und dieses Musical war einstimmig ein einmaliges Erlebnis für den gesamten Kurs.

Ob man nun Shakespeare mag oder sich sonst nicht unbedingt an seine Werke heranwagt, dieses Stück war für jeden eine sehr eingängige Begegnung mit dem Werk „Romeo und Julia“, welches wir in diesem Semester behandeln. „&Julia“ zeigt eine feministische und zeitgerechte Herangehensweise an das Werk und handelt von der „Was-wäre-wenn?“-Perspektive, gesetzt den Fall, Julia hätte sich nach Romeos Tod nicht ebenfalls vergiftet.

Mit sehr talentierten Schauspielern und wunderschönem Gesang, der von modernen und zeitlosen Popmusikstücken geprägt ist, bewegt das Musical zum Tanzen und Lachen. So wird aus klassischer Literatur ein kreatives und neues Erlebnis, welches Menschen wieder zusammenbringt und alle Altersgruppen problemlos für die Einflüsse früherer und heutiger Kunst begeistert.

Mir persönlich hat besonders gefallen, dass die Musikstücke, die wohl kaum in die Zeit Shakespeares passen, in diese Interpretation so gut eingebracht werden. Es ist toll, dass wir an unserer Schule die Möglichkeit haben, außerhalb des Unterrichts etwas Relevantes zum Semester zu unternehmen, das dennoch nicht den normalen Lehrmethoden zu Shakespeare entspricht und uns Schüler auf einer Ebene der heutigen Zeit anspricht. So ist der Einstieg in das Thema Shakespeare besonders gut gelungen.

Als Kurs und Tutgruppe hatten wir einen tollen gemeinsamen Abend, an dem wir schöne Erinnerungen an unser letztes gemeinsames Schuljahr sammeln konnten und unser letztes Semester mit einer höchst positiven Haltung gegenüber dem Unterrichtsthema starten konnten.

Medienscouts am Dörpsweg

Die Einordnung von Fake-News, eine passende Dosierung beim „Zocken“, Fairness in sozialen Medien – die Herausforderungen liegen auf der Hand. Neben den durch Lehrkräfte vermittelten Modulen des „Medienpasses“ trainieren am Dörpsweg künftig auch Jugendliche mit jüngeren Mitschüler:innen Kompetenzen im Umgang digitalen Medien.

Sechs Schüler:innen der 7. und 8. Klasse wurden auf dem Hamburger Mediencampus von TIDE für ihre Tätigkeit als zukünftige Medienscouts ausgebildet, mit dabei: Jonas Wendt (7d), Ilja Lebedew (7e), Kjell Millenet (7e), Levi Mittelstaedt (7e), Josephine Gaynsah Nyarko (8b), Zehra Kaya (8b), begleitet von Frau Roß, der Beauftragten für digitale Unterrichtsentwicklung am Dörpsweg.

Im Mittelpunkt des ersten Workshops stand das Thema „Fake News“. Welche Arten von Desinformation gibt es und wo begegnen sie uns? Woran kann man sie erkennen? Wie kann man sich vor Manipulationsstrategien schützen? Nach vielen Informationen zum Thema am ersten Tag ging es am zweiten Tag vor allem um die Planung der Weitergabe der neu erworbenen Kenntnisse an jüngere Schüler:innen. Die Medienscouts planten nach dem Peer-to-Peer-Prinzip den Ablauf eines eigenen Workshops für Sechstklässler:innen, den sie demnächst am Dörpsweg durchführen werden.

In den nächsten Monaten werden die Medienscouts an weiteren Workshops zu aktuellen Medienthemen teilnehmen („Gaming“, „Digitales Miteinander“). Die Arbeit der Medienscouts ergänzt die Module des Hamburger Medienpass, mit dem sich die Schüler:innen der Jahrgänge 5-7 beschäftigen.

7e live in der Kika-Show

Sich im Fernsehen als „beste Klasse Deutschlands“ zu beweisen, dazu gehören Mut und Engagement. Die Klasse 7e hat es bis ins Finale geschafft, ist dort zwar unterlegen, aber: Sie war live dabei, und das war aufregend. Was die Klasse erlebt hat, berichten zwei ihrer Schülerinnen:

Von Ella und Yuna (7e)

Wir haben mit unserer Klasse bei der Kika-Show „Die beste Klasse Deutschlands“ mitgemacht. In der ersten Show der neuen Staffel waren wir im Livestream des Kika zu sehen. 

Bis dahin mussten wir sehr viel vorbereiten. Herr Godersky hatte uns ein paar Monate zuvor für die Sendung angemeldet und dann mussten wir ca. 300 Fragen beantworten. Wir waren so gut, dass wir weitergekommen sind.

Am eigentlichen Tag, an dem die Show lief, gab es eine Battle mit vier Klassen. Die Gewinner-Klasse würde eine Runde weiterkommen. Morgens hatten wir ganz normal Unterricht. In der vierten Stunde mussten wir in den Flexraum, um zu prüfen, ob die Internetverbindung für die Show funktioniert. Und wir haben unsere Plätze eingenommen. Wir waren in einem Stuhl- und Tischhalbkreis aufgebaut, in Richtung zum C-Touch, wo wir dann auch die Moderatoren und die anderen Klassen sehen konnten. Levi und Ileni waren die Hauptspieler bei uns und saßen ganz vorne, um die Fragen zu beantworten. Sie mussten Kopfhörer mit Mikros tragen, damit man sie in der Show auch hören konnte. Die Vorbereitungen und die Technikprobe waren schon sehr aufregend für uns.

In der fünften Stunde hatten wir dann wieder Unterricht und in der sechsten Stunde kam Herr Godersky zurück zu unserer vorzeitigen Mittagspause, da wir um 13:30 Uhr schon im Flexraum sein sollten.
Nach der Mittagspause haben wir dann von den beiden Moderatoren der Sendung die Spiele erklärt bekommen und wir die anderen Klassen kennen gelernt. Sie kamen aus Bremen, Jever und eine weitere Klasse auch aus Hamburg. Um 15:00 Uhr waren wir dann live. Wir waren sehr aufgeregt, besonders als es dann losging mit den Spielen. Beim ersten Spiel „Fakt oder Fake“ wurde die Aufregung nicht gerade weniger, da wir leider 0 von 15 Punkten holten. Man muss aber sagen, dass es teilweise schwierige Fragen waren. Oder hättet ihr gewusst, ob man beim Dart-Spiel ein Einhornbild auf dem Pfeil haben darf? Also lagen wir erst einmal auf dem letzten Platz nach der ersten Spielrunde.

Dann begann das erste Duell: Das Mariengymnasium aus Jever gegen das Gymnasium Rotherbaum aus Hamburg. Die Spieler mussten Smileys der Beliebtheit nach sortieren. Das Duell gewann Rotherbaum. Dann waren wir dran, gegen das Gymnasium Horn aus Bremen mit dem Spiel „Buchstabensalat“. Levi und Ileni waren richtig gut. Wir gewannen und bekamen 30 Punkte. Jetzt hatten wir wieder eine Chance.

Nach dieser Runde haben alle Klassen bei einem Wortspiel mitgespielt. Die erste Aufgabe war einfach. Aus Checker Tobi wurde Mecker Omi. Dafür haben wir 40 Punkte bekommen. Nach dieser Runde ist das Mariengymnasium ausgeschieden. Dann kam das Spiel „Wer oder was?“ Hier gab es nacheinander verschiedene Hinweise auf das Lösungswort. Die Klasse aus Bremen tippte schon nach dem ersten Hinweis auf die Antwort Napoleon. Die andere Hamburger Klasse und wir warteten bis zum zweiten Hinweis, nach dem wir uns dann alle für die Antwort Mona Lisa entschieden. Das war richtig und wir bekamen 40 Punkte. Das Gymnasium Horn aus Bremen war damit ebenfalls raus und wir waren tatsächlich im Finale dieser Show.

Als erstes gab es ein Farbenspiel. Wir lagen mit unserer Antwort leider falsch. Es folgte ein Spiel, bei dem wir 100 Punkte bekommen konnten. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir 90 Punkte und das Gymnasium Rotherbaum hatte 180. Es war also noch alles möglich für uns. Dann wurde uns ein Video mit Checker Tobi gezeit, der uns ein Würfel-Rätsel erklärte. Levi und Ileni waren ganz schnell mit der Antwort. Und sie war richtig! 100 Punkte für uns! Allerdings ging es nicht um Schnelligkeit, sondern nur um das richtige Ergebnis. Und die Spiler des Gymnasiums Rotherbaum hatte das richtige Ergebnis. Es gab also auch 100 Punkte für sie. Endstand: Gymnasium Dörpsweg: 190 Punkte, Gymnasium Rotherbaum: 280 Punkte. Damit waren wir leider ausgeschieden.

Aber es hat echt Spaß gemacht mitzufiebern und mitzumachen! Und wir sind dank Ileni und Levi auch richtig weit gekommen. Und als Belohnung haben wir vom Fernsehteam 200 € für die Klassenkasse bekommen. Davon werden wir einen Ausflug ins Schwimmbad machen. Auch dafür hat es sich gelohnt!
Übrigens, wer die Show verpasst hat, kann sie jederzeit bei YouTube ansehen auf dem Kanal „Die beste Klasse Deutschlands“.

Leben in der DDR: Gespräch mit Angélque und Andreas Kästner

Begegnungen mit Zeitzeugen können von unschätzbarem Wert sein, da sie über die Vermittlung geschichtlichen Wissens hinaus vielschichtige, teils unmittelbar emotionale Einblicke in Lebenszusammenhänge aus anderen Zeiten ermöglichen. Was prägte eigentlich eine Jugend in der DDR? Von einer intensiven Begegnung berichtet ein Schüler des 12. Jahrgangs:

Von Umut Brieskorn (S4)

Im Rahmen des Geschichtsunterrichts durften die Schüler:innen des Kunst-Geschichte-Profils in Begleitung von Herrn Hanke an einem besonderen Zeitzeugengespräch teilnehmen: Angélique und Andreas Kästner, ein Hamburger Autorenpaar, besuchte unsere Schule, um den Schüler:innen einen persönlichen Einblick in ihre außergewöhnlichen Lebens- und Berufserfahrungen zu geben. 
Sie berichteten über ihre Lebenswege und erzählten, wie sie diese in ihre literarischen Werke einfließen lassen. 

Angélique Kästner ist Psychologin und Psychotherapeutin mit eigener Praxis. Sie arbeitete viele Jahre in der Psychiatrie und war lange ehrenamtlich im Kriseninterventionsteam tätig, wo sie Menschen unmittelbar nach traumatischen Erlebnissen unterstützte.

Andreas Kästner, geboren in Wismar und aufgewachsen in Rostock, schilderte eindrücklich seine Jugend in der DDR. In Rostock erfuhr er schon in jungen Jahren die allgegenwärtige staatliche Kontrolle des DDR-Systems, die er den Schüler:innen offen näherbrachte. Nach seiner Ausbürgerung verließ er die DDR und zog nach Hamburg, wo er später bei der Wasserschutzpolizei im Hamburger Hafen arbeitete.

Als Autorenpaar führen sie ihre beiden Kompetenzen zusammen: Während Andreas Kästner seine Erfahrungen aus Leben und Beruf einbringt, ergänzt Angélique Kästner dies mit ihrem psychologischen Verständnis. Zusammen schreiben sie die Krimireihe „Tatort Hafen“, die im Hamburger Hafen spielt und durch ihre Authentizität überzeugt.

Beide berichteten uns nicht nur von ihren literarischen Werken, sondern auch von persönlichen Erfahrungen aus der Vergangenheit Andreas Kästners: von seiner Jugend in der DDR, die geprägt war von staatlichen Jugendorganisationen wie den Jungpionieren und der FDJ, welche schon früh politische Inhalte und Ideologien an Jugendliche heranführten und als Mittel genutzt wurden, um die Loyalität gegenüber dem Staat zu fördern. 

Besonders eindrücklich für die Schüler:innen waren die Schilderungen zur eingeschränkten Freiheit. Reisefreiheit existierte kaum, der Zugang zu Musik oder Produkten aus dem Westen war stark begrenzt. Andreas Kästner berichtete aus eigener Erfahrung, dass jene Westprodukte, die er persönlich besaß, konfisziert oder auf der Stelle zerstört werden mussten. Man habe „auf Linie sein“ sein müssen, um nicht von der so genannten Volkspolizei als Störfaktor erachtet zu werden. Dies bedeutete, sich anzupassen und möglichst nicht aufzufallen.

Ein weiterer heute undenkbarer Aspekt für die Schüler:innen war die Zuweisung von Berufen und Ausbildung durch den Staat. Zwar war Andreas Kästner in der Lage, seinen Wunschberuf als Matrose zu ergreifen, durch familiäre Umstände jedoch sah es in der Gruppe seiner engen Freunde anders aus. Über den Einfluss, den sie auf sein Leben genommen haben, berichtete Andreas Kästner ebenfalls. Sie finden zudem in den Werken Kästners eine zentrale Bedeutung.

Ein wichtiger Bestandteil des Gesprächs betraf die Rolle der Staatssicherheit. Herr Kästner berichtete offen darüber, wie die Stasi versuchte, Menschen nicht nur zu überwachen, sondern gezielt zu verunsichern und gegeneinander auszuspielen.  So erreichte das Zeitzeugengespräch seinen Höhepunkt, als Andreas Kästner über die persönliche Erfahrung damit schilderte, was als „Zersetzung“ bezeichnet wurde. Das Vorgehen der Stasi zielte darauf ab, Vertrauen zu zerstören, Beziehungen zu belasten und Betroffene psychisch zu destabilisieren. Besonders erschütternd war die Erkenntnis, dass selbst sein engster Freund als inoffizieller Mitarbeiter für die Stasi tätig war.

Die Schüler:innen hörten aufmerksam zu und stellten zahlreiche Fragen. Besonders deutlich wurde dabei, wie schwer es ist, sich ein Leben unter solchen Bedingungen vorzustellen und wie wichtig Zeitzeugengespräche sind, um historische Zusammenhänge nachvollziehen zu können.

Der Besuch von Angélique und Andreas Kästner machte ihre Geschichte auf eindrucksvolle Weise greifbar und zeigte, dass die DDR nicht nur ein politisches System war, sondern ein Alltag, der von Kontrolle und Zersetzung geprägt war.
Des Weiteren regte das Gespräch dazu an, über den Wert von Freiheit, Vertrauen und demokratischen Grundrechten nachzudenken, die heute selbstverständlich erscheinen, es aber nicht immer für jeden waren.

Wir danken Angélique und Andreas Kästner herzlich für ihren Besuch und die Einblicke, die weit über den Geschichtsunterricht hinausgehen.

Journée franco-allemande 2026

Den Deutsch-Französischen Tag, zentrales Eckdatum der europäischen Geschichte, feierte die Schulgemeinschaft der Europaschule Gymnasium Dörpsweg auch in diesem Jahr gut gelaunt und mit vielen Aktivitäten.

Organisiert von der Fachschaft Französisch, gab es in der Frühstückspause auf dem Schulhof ein von Französischkursen gemeinsam gerapptes Lied, Schmink-Aktionen, Plakate, Infotafeln, Flaggen – und dann natürlich Crêpes. Diese wurden von engagierten Französischlerner:innen des 10. Jahrgangs gemeinsam mit Frau Haller gebacken und in die Klassen gebracht, wodurch sich das aus früheren Jahren bekannte Gedränge elegant vermeiden ließ.

Französischschüler:innen höherer Jahrgänge informierten im mittleren Stundenblock die jüngeren Jahrgänge über die besondere Bedeutung des Deutsch-Französischen Tages. So erinnert die „Journée franco-allemande“ an die Unterzeichnung des Elysee-Vertrags aus dem Jahr 1963 und damit an die herausragende Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft. Diese gilt vielen als Motor unseres friedlichen, kooperativen europäischen Zusammenhalts sowie der Partnerschaft beider Länder in vielen Bereichen, darunter der Wirtschaft, Kultur und Bildung.

„Es war schön, die Freude in all den Gesichtern zu sehen“, bilanzierte die Französisch-Fachleiterin der Schule, Julia Margedant, im Anschluss, „der Tag hatte etwas sehr Verbindendes und die Stimmung war richtig gut, es hat großen Spaß gemacht, so habe ich es von vielen Seiten gehört.“ Auch das kühle Winterwetter konnte der guten Laune nichts anhaben. Und wer sich nach mehr Wärme sehnt, kann für die nächsten Ferien ja schon einmal einen Ausflug an die südfranzösische Côte d‘Azur ins Auge fassen.