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Leben in der DDR: Gespräch mit Angélque und Andreas Kästner

Begegnungen mit Zeitzeugen können von unschätzbarem Wert sein, da sie über die Vermittlung geschichtlichen Wissens hinaus vielschichtige, teils unmittelbar emotionale Einblicke in Lebenszusammenhänge aus anderen Zeiten ermöglichen. Was prägte eigentlich eine Jugend in der DDR? Von einer intensiven Begegnung berichtet ein Schüler des 12. Jahrgangs:

Von Umut Brieskorn (S4)

Im Rahmen des Geschichtsunterrichts durften die Schüler:innen des Kunst-Geschichte-Profils in Begleitung von Herrn Hanke an einem besonderen Zeitzeugengespräch teilnehmen: Angélique und Andreas Kästner, ein Hamburger Autorenpaar, besuchte unsere Schule, um den Schüler:innen einen persönlichen Einblick in ihre außergewöhnlichen Lebens- und Berufserfahrungen zu geben. 
Sie berichteten über ihre Lebenswege und erzählten, wie sie diese in ihre literarischen Werke einfließen lassen. 

Angélique Kästner ist Psychologin und Psychotherapeutin mit eigener Praxis. Sie arbeitete viele Jahre in der Psychiatrie und war lange ehrenamtlich im Kriseninterventionsteam tätig, wo sie Menschen unmittelbar nach traumatischen Erlebnissen unterstützte.

Andreas Kästner, geboren in Wismar und aufgewachsen in Rostock, schilderte eindrücklich seine Jugend in der DDR. In Rostock erfuhr er schon in jungen Jahren die allgegenwärtige staatliche Kontrolle des DDR-Systems, die er den Schüler:innen offen näherbrachte. Nach seiner Ausbürgerung verließ er die DDR und zog nach Hamburg, wo er später bei der Wasserschutzpolizei im Hamburger Hafen arbeitete.

Als Autorenpaar führen sie ihre beiden Kompetenzen zusammen: Während Andreas Kästner seine Erfahrungen aus Leben und Beruf einbringt, ergänzt Angélique Kästner dies mit ihrem psychologischen Verständnis. Zusammen schreiben sie die Krimireihe „Tatort Hafen“, die im Hamburger Hafen spielt und durch ihre Authentizität überzeugt.

Beide berichteten uns nicht nur von ihren literarischen Werken, sondern auch von persönlichen Erfahrungen aus der Vergangenheit Andreas Kästners: von seiner Jugend in der DDR, die geprägt war von staatlichen Jugendorganisationen wie den Jungpionieren und der FDJ, welche schon früh politische Inhalte und Ideologien an Jugendliche heranführten und als Mittel genutzt wurden, um die Loyalität gegenüber dem Staat zu fördern. 

Besonders eindrücklich für die Schüler:innen waren die Schilderungen zur eingeschränkten Freiheit. Reisefreiheit existierte kaum, der Zugang zu Musik oder Produkten aus dem Westen war stark begrenzt. Andreas Kästner berichtete aus eigener Erfahrung, dass jene Westprodukte, die er persönlich besaß, konfisziert oder auf der Stelle zerstört werden mussten. Man habe „auf Linie sein“ sein müssen, um nicht von der so genannten Volkspolizei als Störfaktor erachtet zu werden. Dies bedeutete, sich anzupassen und möglichst nicht aufzufallen.

Ein weiterer heute undenkbarer Aspekt für die Schüler:innen war die Zuweisung von Berufen und Ausbildung durch den Staat. Zwar war Andreas Kästner in der Lage, seinen Wunschberuf als Matrose zu ergreifen, durch familiäre Umstände jedoch sah es in der Gruppe seiner engen Freunde anders aus. Über den Einfluss, den sie auf sein Leben genommen haben, berichtete Andreas Kästner ebenfalls. Sie finden zudem in den Werken Kästners eine zentrale Bedeutung.

Ein wichtiger Bestandteil des Gesprächs betraf die Rolle der Staatssicherheit. Herr Kästner berichtete offen darüber, wie die Stasi versuchte, Menschen nicht nur zu überwachen, sondern gezielt zu verunsichern und gegeneinander auszuspielen.  So erreichte das Zeitzeugengespräch seinen Höhepunkt, als Andreas Kästner über die persönliche Erfahrung damit schilderte, was als „Zersetzung“ bezeichnet wurde. Das Vorgehen der Stasi zielte darauf ab, Vertrauen zu zerstören, Beziehungen zu belasten und Betroffene psychisch zu destabilisieren. Besonders erschütternd war die Erkenntnis, dass selbst sein engster Freund als inoffizieller Mitarbeiter für die Stasi tätig war.

Die Schüler:innen hörten aufmerksam zu und stellten zahlreiche Fragen. Besonders deutlich wurde dabei, wie schwer es ist, sich ein Leben unter solchen Bedingungen vorzustellen und wie wichtig Zeitzeugengespräche sind, um historische Zusammenhänge nachvollziehen zu können.

Der Besuch von Angélique und Andreas Kästner machte ihre Geschichte auf eindrucksvolle Weise greifbar und zeigte, dass die DDR nicht nur ein politisches System war, sondern ein Alltag, der von Kontrolle und Zersetzung geprägt war.
Des Weiteren regte das Gespräch dazu an, über den Wert von Freiheit, Vertrauen und demokratischen Grundrechten nachzudenken, die heute selbstverständlich erscheinen, es aber nicht immer für jeden waren.

Wir danken Angélique und Andreas Kästner herzlich für ihren Besuch und die Einblicke, die weit über den Geschichtsunterricht hinausgehen.

Kids in motion

Seit Jahren arbeitet der IVK-Bereich des Gymnasiums Dörpsweg mit Westwind Hamburg e.V. zusammen, einer Fahrradwerkstatt, die sich zur Aufgabe gesetzt hat, besonders Bedürftigen mehr Mobilität zu ermöglichen. Das Team unter der Leitung von Mitbegründer Christian Großeholz bereitet alte Fahrräder wieder auf und verkauft sie zu einem günstigen Preis an Menschen, die sich ein eigenes Fahrrad sonst nicht leisten könnten. Aber auch für Schulklassen gibt es mit dem Programm „Kits in Motion“ ein Angebot, bei dem Schüler:innen an Reparaturworkshops, begleiteten Fahrradtouren oder Verkehrstrainings teilnehmen können – ein Angebot, das die IVK der Schule regelmäßig wahrnehmen. Die Klassenlehrerin der IVK 7/8 berichtet:

Von Susanne Kathary

Rechtzeitiges Bremsen, das Umfahren von Hindernissen und das Beachten von Verkehrsschildern wurden Gegenstand unseres jüngst besuchten Workshops, der von Paul Anton, dem 1. Vorsitzenden des Vereins, durchgeführt wurde: „Mit dem Roller kann man unheimlich viele Fertigkeiten trainieren, ohne dass man gleich aufs Rad steigen muss – Gleichgewicht, räumliche Orientierung, Motorik, Koordination, Timing, Körperkontrolle und nicht zuletzt auch der Umgang mit Verkehrsregeln,“ schwärmt er, und stellt nebenbei Verkehrshütchen für einen Slalom auf.

Begeistert sind auch die Schüler:innen, die trotz eisiger Kälte die Hütchen elegant umschiffen und es genießen, mal nicht vor den Deutschbüchern sitzen zu müssen: „Wir lernen wichtige Regeln kennen, aber wir fühlen uns auch sehr frei auf dem Roller“, so Mustafa, der am liebsten im Anschluss noch eine Radtour machen würde.

Ihre Deutschkenntnisse können die Schüler:innen dann schließlich auch noch nutzen. Beim Blick in die Werkstatt benennen sie die Bestandteile eines Fahrrads und prüfen, ob alle Räder vollständig sind. Sie zu reparieren, werden sie ein anders Mal lernen.

Nebenbei gaben die deutschlernenden Dörpswegschüler:innen übrigens Interviews – möglicherweise ihre ersten Pressegespräche auf Deutsch – denn diesmal begleitete uns Robert Beutner, Social-Media-Beauftragter der ARD. Beutner war gekommen, um Content für die Social-Media-Kanäle der Deutschen Fernsehlotterie zu erstellen. Von dieser erhält Westwind Hamburg e.V. finanzielle Unterstützung, sodass die Workshops und Aktivitäten kostenfrei bleiben können.

Organisator Christian Großeholz freut sich schon auf die nächste Kooperation mit dem Dörpsweg: „Lasst uns mal wieder eine Radtour machen – dann könnt ihr gleich eure neuen Skills austesten!“ Geplant ist die Radtour im Mai. Bis dahin sollten dann auch die Temperaturen wieder fahrradfreundlicher sein. Die fertigen Beiträge kann man demnächst auf den Social-Media-Accounts der Deutschen Fernsehlotterie aufrufen.

Nähere Informationen der gemeinnützigen Initiative, die im letzten Jahr noch von Olaf Scholz im Bundeskanzleramt ausgezeichnet wurde, finden Sie hier.

Roboterbau im Team

Mit einem beachtlichen Erfolg starteten fünf Neuntklässler in die „First Lego League“. Nach nur wenigen Wochen der Vorbereitung beteiligten sich Noel Armeke, Leopold Bauer, Niklas Hoff, Luc Watermülder und Johannes Zeller (9c) am Regionalwettbewerb beim Campus Schnelsen.

Bis zur letzten Minute hatten sie an ihren Präsentationen gefeilt sowie an ihrem Lego-Roboter, der verschiedene Aufgaben auf einem Parcours in bestimmter Zeit schaffen musste. Dabei bewiesen sie Zusammenhalt und lösungsorientiertes Denken im Team.

Das Ergebnis waren vier Urkunden: eine Teilnahmeurkunde sowie je eine Nominierung für das Roboterdesign,  die gemeinsame Forschung sowie die Grundwerte. Diese letzte Kategorie ist eine Art  Herzstück des Wettbewerbs, werden doch Kompetenzen in den Bereichen Entdeckung, Innovation, Wirkung, Teamwort und Spaß bewertet. Und für diese Kategorie wurde die Mannschaft am Ende mit dem begehrten Preis ausgezeichnet.

Den Spike-Roboter und die Teilnahme hatte der Schulverein finanziert. Fachlich unterstützt wurde das Team von Frau Dr. Schirmer. Und die zeigte sich am Ende mächtig stolz auf die fünf Nachwuchsforscher: „Das war eine grandiose Teamleistung der Schüler!“

Lebensmittelanalysen im Schullabor

Bei der Analyse von Lebensmitteln kann man bereits als Schüler:in mitmachen: im Rahmen des Chemie-Schullabors an der Uni Hamburg. Ob sich der Besuch lohnt, verraten zwei Schülerinnen des 11. Jahrgangs:

Von Ela Aydoğdu und Iona Gherasimenco und  (S1)

Im Rahmen einer Exkursion haben wir, der Biologiekurs des S1, in Begleitung von Frau Dr. Schirmer das Chemie-Schullabor „Molecules & Schools“ der Universität Hamburg besucht und an dem Modul „Lebensmittelanalytik“ teilgenommen.

Gleich zu Beginn wurden wir nett willkommen geheißen und haben einem informativen Vortrag über den Vorgang der Lebensmittelanalytik und ihrer Bedeutung gelauscht.

Im Anschluss ging es in das Labor, natürlich erst, nachdem wir mit den Sicherheitsvorkehrungen bekannt gemacht worden waren. Wir haben mit der Unterstützung junger Biologie- und Chemiestudenten Versuche zur Fleischanalytik durchgeführt.

Nach der langen Mittagspause haben wir unsere Ergebnisse untereinander verglichen und gemeinsam besprochen. Bei Fragen standen die Studierenden jederzeit zur Verfügung.

Besonders angenehm fanden wir die Entspanntheit im Umgang, ohne dass wir uns bei den Versuchen gehetzt oder gelangweilt gefühlt hätten, es war eine wirklich schöne Erfahrung. Der praktische Teil hat unser Wissen noch einmal vertieft. Wenn man etwas gemacht hat wusste man direkt, warum man das macht. In der Theorie wird einem das nicht wirklich so klar wie in der Praxis.

Wir würden diese Exkursion auf jeden Fall weiterempfehlen!

Dynamik des Kohlenstoffs im Ozean

Die Ozeane sind ein gigantisches Reservoir von Kohlenstoff. Sie spielen eine wesentliche Rolle, will man die Auswirkungen des CO2 -Anstiegs in der Atmosphäre auf unser Klima verstehen. Welche wesentlichen Vorgänge laufen in den Meeren ab und welche Forschungsergebnisse dazu kennen wir? Eine Expertin hat Fragen und Antworten mit Schüler:innen der Jahrgänge 10-12 erörtert – eine Teilnehmerin berichtet:

Von Anna Stöcker (S4)

Dass CO2 etwas mit dem Klimawandel zu tun hat, wissen die meisten – mit unserem Ausstoß entscheiden wir darüber, wie stark das globale Klima erwärmt. Welche Rolle der Kohlenstoffkreislauf der Ozeane hierbei spielt, kann im Gegensatz dazu kaum jemand erklären, und das, obwohl unsere Meere die größte CO2 -Senke auf der Erde sind. Sie nehmen über 30% des Kohlenstoffdioxids aus der Atmosphäre auf, also mehr als alle Senken an Land zusammen.

Der Kohlenstoffkreislauf und seine Auswirkungen sind ein komplexes Gefüge, das sich nur durch aufwändige Modelle verstehen lässt. Professor Tatiana Ilyina ist Spezialistin auf diesem Gebiet. Sie unterrichtet im Bereich Erdsystemwissenschaften die beiden Masterstudiengänge „Integrated Climate Sciences“ und „Ocean and Climate Physics“ an der Uni Hamburg. Für ihre herausragende Forschung erhielt sie im letzten Jahr sogar die Fridtjof Nansen-Medaille. In Zukunft wird Professor Ilyina zudem die Leitung des Max Planck Instituts für Marine Mikrobiologie in Bremen übernehmen.

Als Chemiekurs aus dem S3 hatten wir anlässlich unseres Semesterthemas das Glück, Frau Ilyina als Gast begrüßen und einem kurzen Vortrag lauschen zu dürfen. Mit Hilfe verschiedener Modelle zeigte sie uns, unter welchen Umständen die Ozeane Kohlenstoffdioxid aufnehmen oder abgeben, welche Rolle Luft- und Wasserströmungen spielen und was Mikroben und Phytoplanktons mit dem Kohlenstoff im Meer zu tun haben.

Trotz der Unterteilung in chemische, biologische und physikalische Zusammenhänge wurde schnell deutlich, dass eine Trennung der Wissenschaften bei der Betrachtung des Klimas kaum möglich ist: Alles hängt zusammen und beeinflusst sich gegenseitig. Besonders beeindruckend war zum Beispiel dieses Modell, das die Aufnahme und Abgabe von CO2 im Ozean im Zusammenhang mit der Geschwindigkeit von Winden zeigt. 

Das Publikum, bestehend aus Schüler:innen aus unserem S3, dem S1 und dem zehnten Jahrgang, konnte jederzeit Fragen stellen, die Frau Ilyina verständlich und höchst präzise beantwortet hat. Zum Ende des Vortrags betonte die Expertin noch einmal, dass es nur eine einzige Möglichkeit gibt, dem Klimawandel effektiv entgegenzuwirken: die Einsparung von Emissionen. Trotzdem blickt die Professorin mit Hoffnung und viel Neugier in die Zukunft – wir können es noch schaffen und wissen längst noch nicht alles.

DELF erfolgreich absolviert

19 Schüler:innen des 11. Jahrgangs können sich über bestandene DELF-Prüfungen freuen. Bereits im 10. Jahrgang waren sie von den Französischlehrkräften Frau Margedant und Frau Lemaire im regulären Fremdsprachenunterricht auf die Prüfungen vorbereitet worden. Nun erhielten sie ihre Urkunden, die ihnen Französischkompetenzen auf dem Niveau B1 attestieren.

Die Französisch-Lerner:innen nahmen auch in diesem Jahr gemeinsam an der schriftlichen DELF-Prüfung teilnahmen, die eine Klassenarbeit ersetzte. Wer genügend Punkte erhielt, konnte sich anschließend auch bei der mündlichen Prüfung bewähren, die ebenfalls Voraussetzung für das DELF-Diplom ist. Wer sich die mündliche DELF-Prüfung nicht zutraute, nahm stattdessen übrigens an einer Sprach-Prüfung in Kleingruppen teil und erlebte nicht selten gleichermaßen, dass das sprachliche Können größer ist, als man es sich womöglich zutraut. 

Neben Sprach- und Kommunikationskompetenzen geht es in den DELF-Prüfungen immer auch um die Fähigkeit, konkrete Probleme zu lösen, die sich aus Alltagssituationen ergeben. „Ich war begeistert“, so Fachleiterin Julia Margedant, „wie mutig und engagiert sich die Prüflinge auf diese Situationen eingelassen und sich getraut haben. Sie können stolz auf sich sein.“

Die Prüfungen sind dank der Vorbereitung machbar, aber kein Selbstgänger. Die Schüler:innen zeigen Kompetenzen im Hör- und Leseverstehen, im schriftlichen und mündlichen Ausdruck. Dabei kennen sie die genauen Themen vorher nicht, sie zeigen vielmehr, dass sie auch in neuen Situationen sprachlich flexibel agieren können.

Es ist für die Absolventen angenehm, dass die Prüfungen direkt am Gymnasium Dörpsweg absolviert werden können, statt extern, doch die Aufgabenformate und Bewertungskriterien sind vom französischen Bildungsministerium definiert und weltweit vergleichbar. Dafür ist das DELF-Diplom (Diplôme d’Etudes en Langue Française) lebenslang und international gültig. Es kann bei der Immatrikulation an internationalen Hochschulen genauso genutzt werden wie für die weitere berufliche Karriere. Und man kann auch sich selbst beweisen, dass man das seit der 6. Klasse Gelernte nutzen kann.