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Neue Klangeindrücke

Im Rahmen des Festivals „Rising Stars“ erlebte der S2-Musikkurs einen der faszinierendsten Nachwuchs-Künstler Europas, den französisch-niederländischen Bratschisten Sào Soulez Larivière: zunächst am Gymnasium Dörpsweg, dann bei einem Konzert in der Elbphilharmonie.

Gemeinsam mit einer Musikpädagogin der „Elphi“, Terhi Romu, gestaltete Larivière einen Workpshop für die von Herrn Knickmann unterrichteten Schüler:innen. Dabei nahmen sie in Vorbereitung des Konzerts an ganz unterschiedlichen musikpraktischen Gesangs- und Rhythmus-Übungen teil, die teilweise sehr anspruchsvoll waren, doch von den Kursmitgliedern entschlossen und gut bewältigt wurden. Im Anschluss konnten Schüler:innen dem Profimusiker eine Vielzahl von Fragen stellen, etwa nach seinem Berufsweg oder nach seiner Lieblingsmusik. In seiner Freizeit höre er durchaus andere Musik als die, die selbst spiele, verriet er den Jugendlichen.

Am Folgeabend besuchte der Kurs gemeinsam mit Frau Dobric-Eldic und Herrn Knickmann das Auftaktkonzert zum Festival „Rising Star“. Dabei präsentierte Larivière in Begleitung des Perkussionisten Christoph Sietzen Werke moderner Komponisten wie György Ligeti und Luciano Berio. Besonderen Eindruck bei den Schüler:innen hinterließ das Stück „Cloth“ der in New York lehrenden Komponistin Julia Wolfe, das sie eigens für Larivière und diesen Abend geschrieben hatte. Darin wurde eine live gespielte Bratschen-Spur durch acht weitere, vom Musiker im Vorfeld aufgenommene Spuren ergänzt. Zahlreiche Lautsprecher ließen das Klanggeflecht durch den Saal wandern, um das Publikum kreisen und zu Klangmassen anschwellen – eine Sinfonie mit einem Instrument.

„Das Konzert war spannend“, sagt Nelli (S2) rückblickend, „die Musik war anders, als das, was man sonst gewohnt ist. ‚Cloth‘ hat mir persönlich am besten gefallen.“

Alles Gute, Herr Dr. Motschmann!

Mit Herrn Dr. Motschmann verlässt ein überaus erfolgreicher und engagierter Schulleiter das Gymnasium Dörpsweg. Wie sehr er von der Schulgemeinschaft auch geliebt wurde, zeigte sein Abschied.

Cornelius Motschmann wird in den nächsten Jahren die Goethe-Schule der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires leiten. Nachdem er vor seinen sieben Dörpsweg-Jahren bereits Schulleiter der Deutschen Schule Genua gewesen war, erfüllt er sich nun den Wunsch, noch einmal im Auslandschuldienst tätig zu sein. Bis zum Dienstantritt seines Amtsnachfolgers Herrn Peters, der mit dem neuen Schuljahr aus dem Auslandsschuldienst an der Deutschen Schule Stockholm zurückkehrt, übernimmt der stellvertretende Schulleiter Herr Hawighorst kommissarisch die Aufgaben des Schulleiters am Gymnasium Dörpsweg.

Viel wurde in den Jahren, in denen Herr Dr. Motschmann die Schule leitete, entwickelt und vorangebracht. Die Profilschärfung des Dörpsweg zur Europa-Schule mitsamt Erasmus+ sowie zur MINT-freundlichen Schule bilden Spitzen. Die Einführung des Fachs Italienisch als zweite Fremdsprache, der Bläserensembles in der Unterstufe, des Wettbewerbs „Jugend debattiert“, ein neues Leitbild, Kinderschutzkonzept, Auszeichnungen als Leuchtturmschule für Wiederbelebung,  Wettbewerbserfolge – zahlreich sind die Wegmarken und die Entwicklungsprozesse, die unter Motschmanns Ägide gediehen. Für viele davon engagierte er sich mit großer, gewinnender Kraft ganz persönlich – jederzeit anpackend, auch in herausfordernden Situationen, etwa der Corona-Zeit.

Die ausgezeichneten Schulinspektionsergebnisse, gerade im Bereich des Leitungshandelns, zeugen vom Gestaltungsgeschick und davon, wie Motschmann es verstand, Menschen mitzunehmen und zu begeistern, ganz gleich, ob im Austausch mit Schülerinnen und Schülern, Eltern oder den Lehrkräften, mit denen er sich auch im Zuge von Personalgesprächen über die vielen Besonderheiten ihres schulischen Wirkens austauschte. „Wo Herr Dr. Motschmann auftaucht, herrscht gute Laune“, resümierte eine Kollegin an seinem letzten Dörpsweg-Schultag.

Der Tag war von vielen Momenten der Zuwendung geprägt. Zahlreiche Lerngruppen verabschiedeten sich von Motschmann persönlich, etwa durch Darbietungen, zu denen sie ihn einluden. So präsentierten ihm Klassen beispielsweise im Sportunterricht geübte Auftritte, im Kunstunterricht gestaltete Postkarten mit Argentinien-Motiven, Blumen, Gedichte und Lieder. Einen Höhepunkt bildete das Ende der letzten Schulstunde, als sich – für Motschmann völlig überraschend – zahlreiche Schüler:innen vor dem Klettergerüst versammelten und zu den Klängen von „In Hamburg sagt man Tschüss“ ihren scheidenden Schulleiter hoch leben ließen.

Sehr herzlich war bereits die Verabschiedung vom Elternrat verlaufen, der Motschmann im Anschluss an die Sitzung mit einem Buffet und Geschenken ehrte.

Viele besondere Würdigungen gab es schließlich bei der von Herrn Hawighorst moderierten Verabschiedung durch die Schulleitung und das Kollegium, die mit zahlreichen Darbietungen und originellen Abschiedspräsenten Motschmanns großen und mitreißenden Einsatz würdigten – nachdem zuvor auch die langjährige Mitarbeiterin des Schulbüros und dessen frühere Leiterin, Frau Gülstorf, ein zweites Mal verabschiedet worden war: Sie war bereits zum Ende ihrer regulären Arbeitsjahre 2019 gefeiert worden, hatte aber zur Freude aller ihre Tätigkeit im Sekretariat weiter fortgesetzt.

„Es war mir eine große Ehre und eine Freude, am Gymnasium Dörpsweg als Schulleiter gearbeitet haben zu dürfen“, resümierte Motschmann, „die Zeit war bunt und abwechslungsreich, intensiv und voll an positiven Erfahrungen.“
Diese werden sich nun in Buenos Aires fortsetzen. Nuestros mejores deseos!

 

Journée franco-allemande 2025

Es hat Tradition: Die Dörpsweg-Schulgemeinschaft feierte die deutsch-französische Freundschaft gemeinsam mit den Gastschüler:innen aus Toulouse – und mit so vielen Crêpes wie nie.

Bereits in Südfrankreich hatten sich die französischen und deutschen Jugendlichen bestens verstanden, als die Dörpsweg-Gruppe der Acht- und Neutklässler:innen ihre Gastfamilien und das Collège Léonard de Vinci in Tournefeuille Mitte September besuchten, einem Vorort von Toulouse. Die Reise war großzügig durch das Programm Erasmus+ unterstützt worden, was die Kosten für die beteiligten Familien erheblich reduziert hatte. Begleitet worden war die Gruppe von der Französisch-Fachleiterin Frau Margedant sowie von Frau Fünfsinn.

Nun kamen die 30 französischen Austauschpartner:innen gemeinsam mit ihren Lehrerinnen, darunter ihrer Deutschlehrerin Madame Girardin, nach Hamburg und bereicherten, unbeeindruckt vom Hamburger Winterwetter, fröhlich den Schulalltag am Dörpsweg. In deutsch-französischen Tandems bereiteten sie beispielsweise Präsentationen vor, um diese im Verlauf der Journée franco-allemande in verschiedenen Klassen der jüngeren Jahrgänge vorzustellten. Sie dekorierten zudem das Schulgelände mit Infotafeln, Flaggen und Plakaten. Und sie backten unermüdlich Crêpes: mehrere Hundert Stück, um sie gratis in den Klassen zu verteilten. Anders als in früheren Jahren ließ sich so ein geballtes Gedränge vor den Crêpe-Ständen vermeiden.

Auch während der Pausen wurde der Deutsch-Französische Tag fröhlich gefeiert, mit französischen Liedern, Boule-Spiel, Schminkaktionen und einem gemeinsamen Gesangsauftritt der jüngeren Französisch-Kurse: Nach einer Ansprache durch einen am Austausch beteiligten Schüler, der an den Elysée-Vertrag von 1963 erinnerte und die Bedeutung der deutsch-französischen Partnerschaft erläuterte, erklang der Klassiker Les Champs-Elysées aus großen Boxen vor dem Klettergerüst. Geübt hatten die Französisch-Kurse das Lied in den vorangegangenen Stunden, sodass sie nun entschlossen und gut gelaunt mitsingen konnten.

Der Hamburg-Besuch der französischen Gastschüler:innen sieht nach einem von den Familien gestalteten Wochenend-Programm beispielsweise den Besuch der Hafencity und Elbphilharmonie vor, des Chocoversums, Elbtunnels und Michels sowie eine Rallye durch die Innenstadt.  

Das Wetter ist deutlich kühler als das während des Toulouse-Besuchs im September, die Gastfreundschaft ist jedoch gleichermaßen herzlich.

Spenden für das Kinderhospiz Eidelstedt

Gute Vorsätze im neuen Jahr halten unterschiedlich lang. Von einem Beispiel, wie über längere Zeit mit einfachen Mitteln Gutes bewirkt wurde, berichtet ein Schüler aus dem Philosophiekurs des 12. Jahrgangs:

Von Benjamin Slack (S4)

Im Unterricht beschäftigten wir uns im Hintergrund des Semesterthemas „Ethik“ mit grundlegenden Fragestellungen: „Was bedeutet Moral und welche Pflicht oktroyiert sie einem?“ Aus den intensiven Diskussionen entstand der Wunsch des Kurses, das örtliche Kinderhospiz zu unterstützen und den Kindern dort unter anderem ein besonderes Erlebnis zu ermöglichen. Herr Hanke berichtete aus vorigen Jahren, dass den betroffenen Kindern durch einen Ausflug in den Hagenbecks Tierpark große Freude abzulesen war, was uns zusätzlich bewegte.

Im Verlauf der Oberstufe stand es den Schüler:innen offen, freitags nach Ende des Philosophieunterrichts eine beliebige Summe in die Spendenkasse, die dankenswerterweise unser Mitschüler Sasa Möller verwaltete, einzuwerfen. Im Sinne der Weihnachtszeit, in der man bemüht ist, der Familie sowie Freunden eine besondere Freude zu machen, waren wir stellvertretend für den Kurs zusammen mit Herrn Hanke zu Gast bei dem Theodorus Kinder-Tageshospiz am Eidelstedter Platz, um den eifrig gesammelten Spendenbetrag persönlich zu übergeben. Uns fiel unmittelbar die herrschende Wärme der Mitarbeitenden vor Ort positiv ins Auge und hinterließ auch im Nachhinein noch Faszination. Die Mitarbeitenden des Kinderhospiz zeigten sich tief gerührt von der Initiative der Schüler:innen. Auch kamen wir auf Fragen zu sprechen wie unter anderem, wie die Fachkinderkrankenpfleger:innen mit den Schicksalsschlägen fertig werden.

Abschließend freuen wir uns als Kurs, dass wir in der Gesellschaft mit etwas Kleinem große Freude bewirken konnten.

„Die Schöne und das Biest“

Liebe und Schönheit, Abenteuer und Magie, Schauspiel und Lieder verzauberten das Publikum bei der Vorstellung des Musicals „Die Schöne und das Biest“. Der Theaterkurs des 12. Jahrgangs, unterstützt von einer Band aus Schülern und Lehrkräften, präsentierte unter Leitung von Frau Baake und Frau Rosenfeld das Musical, das auf dem französischen Volksmärchen „La Belle et la Bête“ basiert.

Erzählt wird die Liebesgeschichte der schönen, selbstlos Bella und jenes verwunschenen Prinzen, den eine Fee einst in eine Bestie verwandelt hat. Der Bann kann nur durch die Macht der Liebe gebrochen werden, doch bis Bella den entscheidenden Satz sagt, muss sie die Annäherungsversuche des starken, aber eitlen und dummen Dorfanführers Gustav abwehren, der mit der Dorfgemeinschaft schließlich Jagd auf das „Biest“ macht.

Emsig hatten die Schüler:innen bereits im 11. Jahrgang mit Unterstützung von Frau Rosenfeld und Frau Baake viele der Szenen entwickelt und dabei innerhalb ihres Ensembles auch die Solo-Rollen gecastet. Für das Biest fiel die Wahl auf gleich zwei Schauspieler (Muhammad Özdemir, Simon Tyutyunik), die in bester postdramatischer Manier gemeinsam sangen und spielten. Auch die weiteren Solorollen traten mit großem Einsatz und Können auf – herausragend die Stimme der Bella (Lena Wolfe) – sowie mit Sinn für Komik, etwa bei den Dorfszenen mit einem prahlenden Gustav (Max Wolfe). Zu Herzen gehende Auftritte hatten auch die weiteren Solisten, etwa die geheimnisvolle Fee (Laura Leisner), Bellas alter Vater (Karan Singh) oder die zickigen Schwestern (Noelia Buchwald und Famke Sekula, die spontan einsprang).

Neben den Schloss-Szenen in Goldlamé stand die Dorfschenke mit ihren Bierkrügen im Zentrum der Handlung, die von einem starken  Chor der Bäuerinnen und Bauern mit dynamischen Gesangs- und Tanzeinlagen voller origineller Inszenierungsideen getragen wurde. Die über 20 Songs des Musicals wurden sehr ausdrucksstark musikalisch begleitet von einer Band aus Schülern (Sander Kraft, Mark von Wille) sowie Lehrkräften (Frau Baake, Frau Kathary, Herr Guizetti, Herr Godersky und Herr Gruhn).

Ein Musical zu erarbeiten, in das Kompetenzen verschiedener Künste einfließen, allen voran aus den Fächern Musik und Theater, ist eine anspruchsvolle Herausforderung. Die Mühe hat sich gelohnt! Das fand auch das Publikum, das nach der Abschlussvorstellung in der voll besetzten Aula seiner Begeisterung mit Standing Ovations Ausdruck verlieh.

Schauspielhaus-Inszenierung hinterfragt

Theater wirkt. So können Inszenierungen intensive gesellschaftspolitische Debatten auslösen. Das zeigte sich beim Austausch des Dramaturgen Ludwig Haugk sowie der Theaterpädagogin Marie Petzold (Deutsches Schauspielhaus Hamburg) mit dem 12. Jahrgang des Gymnasiums Dörpsweg.

Die Schüler:innen aller vier S3-Deutschkurse hatten im Herbst gemeinsam eine „Woyzeck“-Vorstellung im Schauspielhaus besucht, also jenes Büchner-Dramas von 1837, das im Zentrum der Semesterarbeit stand. Gleichgültig ließ die aggressiv-knallige Inszenierung wohl nur wenige, vielfach gab es Fragen und Irritation, teilweise Empörung. So schrieb Leo Schiemann aus dem Deutschkurs von Frau Margedant kurzerhand eine Mail an das Theater – und bekam Antwort vom leitenden Theaterpädagogen des Hauses, Michael Müller. Der schlug ein Gespräch des Dramaturgen mit den Deutschkursen vor, das nun in der Dörpsweg-Aula stattfand.

Ludwig Haugk, der seinen Beruf des Dramaturgen als „Anwalt des Textes und Berater der Regisseurin“ vorstellte, wurde begleitet von der Theaterpädagogin Marie Petzold. Beide sammelten zunächst Eindrücke und Fragen der Schüler:innen und baten sie dann, selbst Vermutungen, Erklärungsansätze, Antworten zu wagen. Heraus kam zunächst eine vielschichtige Interpretation zu einer Reihe von Merkmalen der Inszenierung.

So wurde die schrille, verstörend pinke Ästhetik auf die Perspektive des schon bei Büchner an Halluzinationen leidenden Woyzeck bezogen, die gummizellenhafte Raumgestaltung auf seine Wahnvorstellungen, das dämonische Auftreten anderer Figuren auf seine alptraumhafte Innensicht. Zugleich, so Haugk, wolle die Inszenierung auch tradierte Erwartungen aufbrechen, das Publikum aufrütteln, die Aufmerksamkeit schärfen. Die bereits offene Struktur des Büchner-Dramas – es gibt keine eindeutige Reihenfolge der von Büchner fragmentarisch hinterlassenen Szenen – beantwortet die Schauspielhaus-Inszenierung mit einer Wiederholungsschleife von Szenen, deren Verlauf jedoch variiert: Die Ermordung Maries durch Woyzeck, wie Büchner sie ans Ende der Dramenhandlung stellt, bildet unverblümt gleich den Anfang der Inszenierung. Es folgen eine Splatter-Variante, eine Version, in welcher Woyzeck Selbstmord begeht, und schließlich eine Fortsetzung, in der es keinen Mord mehr gibt. Damit gewinnt die bereits von Büchner neu gefasste Darstellung eines historisch überlieferten Falls auf der Hamburger Bühne Alternativen, Ableitungen, die „etwas mit heute zu tun haben“, so Haugk.

Dynamisch wurde die Diskussion bei der Frage eines Schülers, ob Haugk denn finde, dass die im Programmheft ins Zentrum gerückte Femizid-Thematik von der Inszenierung eingelöst werde. Haugk berichtete, dass die Regisseurin Lucia Bihler es abgelehnt habe, die Figur Woyzecks als „Opfer der Umstände“ darzustellen, vielmehr gebe es nie eine Rechtfertigung dafür, eine Frau umzubringen. Auch sei es nicht Ziel ihrer Inszenierung, die mehr oder weniger klaren Intentionen des Autors umzusetzen, vielmehr solle eine eigene Botschaft, ein neuer Fokus vermittelt werden – und so bilde die Ermordung Maries eben nur eine von mehreren denkbaren Verläufen. Die Inszenierung wolle zudem keine Eindeutigkeit schaffen, keine klare Antwort geben, kein Vorbild liefern, vielmehr dem Publikum in einem Moment der Ruhe während des Theaterbesuchs die individuelle Auseinandersetzung mit neuen Blickwinkeln ermöglichen.

Die Femizid-Problematik griff auch Petzold auf mit dem Hinweis, dass die Ermordung von Frauen, dem „schwachen Geschlecht“ gegenüber „männlicher Dominanz“, ein nicht überwundenes gesellschaftliches Problem sei. Während einige Schüler:innen die Relevanz des Themas sowie die erkennbare Umsetzung in der Inszenierung bestätigten, kam von anderen Zwölftklässlern Widerspruch, unter anderem mit dem Hinweis darauf, dass in Zeiten zunehmender Gleichberechtigung die kritisierte Ungleichheit doch eigentlich nicht mehr aktuell sei. Bestehen blieb damit ein Dissens zwischen dem Fokus auf einem Status quo, der den Femizid als gesellschaftliches Problem anerkennt, und einer in der Schülerwirklichkeit moderneren Perspektive, die von der Überwindung veralteter Strukturen ausgeht.

So fragte ein Schüler, was denn wäre, wenn eine männliche Figur –  beispielswiese Woyzecks Freund Andres – von Woyzeck ermordet würde. Man habe sich entschieden, so Haugk, in der Inszenierung von der Büchner-Vorlage auszugehen, bei der Woyzeck seine Geliebte umbringt, doch diese Entscheidung eines Theaterhauses müsse nicht für die Schüler:innen gelten: „Schreibt ruhig das Stück neu“, appellierte Haugk an die Jugendlichen, „Stücke sind nicht heilig, sie müssen nicht konserviert werden, Ihr habt die Möglichkeit, etwas Eigenes aus ihnen zu machen! Das hält die Stücke lebendig!“